-Homepagemanagement-
Bernd und Christian Appel
Kontakt: [email protected]
Eine kleine Chronik des deutschen Manga 1995-2024
Vor knapp 30 Jahren startete die Erfolgswelle der Mangas auch in der westlichen Welt. Die ersten deutschen Zeichnerinnen und Zeichen begannen, sich von amerikanischen und französischen Comicvorbildern zu entfernen.
Heute gehören künstlerische Schwergewichte wie Akira (Katsuhiro Otomo, 1982-1990), Dragon Ball (Akira Toriyama, 1984-1995), Monster ( Naoki Urasawa ,1994-2001), Inu Yasha (Rumiko Takahashi, 1996-2008), One Piece (Eiichiro Oda; 1997-), Naruto (Masashi Kishimoto; 1999-2014), Fairy Tail (Hiro Mashima; 2006-2017) oder Attack on Titan (Hajime Isayama; 2009-2021) zu den berühmtesten zeichnerischen Werken weltweit und haben längst Kultstatus erreicht.
Die Ersten Deutschen Manga
Schon bevor das Interesse deutscher Verlage ab dem Jahrtausendwechsel sich zunehmend auch auf den Bereich Manga ausdehnte und mit Carlsen Comics und Egmont die beiden ersten Verlagshäuser japanische Manga in ihr Programm aufnahmen legten bereits zwei deutsche Künstler mit ihren am Mangastil orientierten Werken den Grundstein für den folgenden Mangaboom der 2010er-Jahre und somit für den 'deuschen Manga'.
2000 erschien mit Jürgen Seebecks 1997 begonnenem Werk Bloody Circus im Carlsen-Verlag erstmals ein zweibändiger, damals noch voll in Farbe gedruckter Manga, der auf einer Zusammenarbeit Seebecks mit dem japanischen Verlag Kodansha fußte. Dieser hatte Anfang der 2000er mit dem Beginn der langsamen Internationalisierung des Manga nach einem Team bekannter ausländischer Zeichner und Zeichnerinne gesucht, die dazu bereit waren ihre künstlerischen Talente für die Entwicklung japanische Comics zu nutzen. Seebeck hatte durch seine Tätigkeit als Übersetzer im Carlsen Verlag - in dem er u. a. die Übersetzung von Akira oder Dragon Ball betreute, bereits ein gewisses Faible für das Thema Manga gezeigt. Auf diese Weise entstand mit Bloody Circus der erste 'deutsche Manga'.
Bereits 1995 hatte es mit dem Manga Jiraishin, bei dem Matz Mainka als Autor und Tsutomu Takahashi als Zeichner fungiert hatte, zum ersten Mal eine Zusammenarbeit zwischen einem japanischen Zeichner und einem deutschen Autoren bei der Entstehung eines Manga gegeben.
Auftauchen der deutschen Manga- & Anime-Zeitschriften
Waren in Japan schon viel früher japanische Comics berühmt und auflagenstark (Ranma ½, 1987-1996; Rumiko Takahashi oder Dragon Ball 1984-1995; Akira Toriyama), erschien der deutsche Manga erst zum Ende des vergangenen Millenniums auf der Bildfläche. So etablierten sich in den frühen 2000er-Jahren die ersten deutschsprachigen Manga-Zeit-schriften wie BANZAI bzw. MangaPower. Bereits seit 1994 wurde mit der AnimaniA eine bis heute gelesene deutsche Fachzeitschrift zum Thema Manga und Anime veröffentlicht. 2004 gesellten sich die Koneko und die FUNime hinzu.
Bereits in den 2010er-Jahren waren die meisten der eigenständigen deutschen Fachzeit-schriften wieder Geschichte. BANZAI! (2001-2005), Daisuki (2003-2012), MangaZene (2001-2006) bzw. die KidsZone (2000-2011) wurden eingestellt und der deutsche Manga verlor in der Zeitschriftenlandschaft – abseits der AnimaniA und der Koneko – einen we-sentlichen Teil seiner Bedeutung. Der erste große Manga-Hype war vorüber. Die künstle-rische Tätigkeit professionell arbeitender deutscher Manga-ka verlagerte sich daraufhin auf die Verlagsebene sowie auf die Ebene des Selbstverlags.
Der deutsche Manga und seine Künstler
Zusammen mit den ersten deutschen Fachzeitschriften, die entsprechend der japanischen Vorbilder wie z. B. der Shounen Jump ihren Lesern monatliche Kapitel aktueller Mangas präsentierten, entstand die deutsche Manga-Szene. Frühe Pioniere des Genres wie z. B. Robert Labs (*1982), Judith Park (*1984), Christina Plaka (*1983) und Alexandra Völker (*1986) konnten mit ihren Werken die Manga-Kultur auch auf Deutsch etablieren und machten es vielen Künstlern möglich, ihren Traum vom deutschen Manga-ka bei angesehenen Verlagen zu realisieren. Hierzu nutze die neu entstehende deutsche Manga-Zeichenkultur neben den Fachzeitschriften vor allem die ersten entstehenden Conventions (Cons), um ihre eigenen Werke z. B. auf der Connichi, der Manga-Magie oder der AnimagiC unter das Volk zu bringen.
Kapitel von Crewman 3 (2003-2004, Robert Labs), von Dystopia (2004, Judith Park) bzw. Dream Catcher (2004, Martina Peters) lieferten den Stoff, den die ersten Zeitschriften zu ihren Inhalten machen konnten. Mit der Einstellung zahlreicher Fachperiodika beendeten auch viele Mitglieder der erste Generation der Manga-ka ihre aktive Karriere. Was blieb, war der Grundstein des deutschen Mangas, der sich in der Folgezeit neben einem großen japanischen Angebot an unterschiedlichen Titeln etablieren konnte. Zeitgleich blieben die Vertreter dieser 'ersten Generation' auf Conventions oder in eigenen Workshops präsent und verbreiteten ihr Wissen und ihre Kunst unter zukünftigen Zeichnerinnen und Zeichnern.
Die deutsche Manga-Szene bis 2020
Das Ende der meisten deutschen Manga-Anthologien besiegelte keineswegs die Geschichte der Manga-Produktion in Deutschland, da vor allem die Conventions weiter Bestand hatten und prominente Verlage wie Egmont, Carlsen oder Tokyopop weiterhin deutschproduzierte Titel in ihrem Aufgebot behielten. Wesentliche Größen des deutschen Manga-Wesens blieben den Lesern deshalb weiterhin erhalten und behaupten sich bis heute auf dem nationalen (und in wenigen Fällen sogar internationalen) Buchmarkt. Zeichner und Illustratoren wie Melanie Schober (*1985) (Raccoon 2007, Skull Party 2013-2015), Inga Steinmetz (*1983) (Alpha Girl 2012, Schneeballens Fall 2015) bzw. Anike Hage (*1985) (Eislicht 2018) sind nach wie vor aktiv im Manga-Geschäft tätig und verbreiten die 'frohe Kunde' zusätzlich in Workshops oder auf ihren Social-Media-Profilen bei Instagram, Facebook oder Twitter.
Martina Peters (*1986) beendete erst 2020 ihr 10-bändiges Werk Focus 10 (2018-2020) und ist deutschen Mangafans u. a. durch ihren Manga Lilientod (2009-2011) ein Begriff. David Füleki (*1985) feierte zahlreiche Erfolge u. a. mit seinen Märchenerzählungen Struwwel-peter und Blutrotkäppchen. International feierte Nana Yaa Kyere (*1991) mit ihrem Manga Goldfisch (2016-2019) Erfolge.
Entwicklungen ab 2020
Der Beginn der Corona-Pandemie im Jahre 2020 machte vielen Manga-Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland zu schaffen, weil vor allem die Organisation von Fan-Treffen und die Möglichkeit, die eigenen Werke auf Conventions zu bewerben, ausgesetzt werden mussten. Nichtsdestotrotz blieben viele Zeichnerinnen und Zeichner ihren Mangas treu und entwarfen weiterhin neue Geschichten rund um ihre gezeichneten Charaktere. Dabei wird nun noch verstärkt im Vergleich zu den vorherigen Jahrzehnten auf die Verbreitung der eigenen Werke im Internet gesetzt.
Doch auch die Verlagskultur kommt nicht zum Erliegen. Im besonderen Maße steht der 2017 neugegründete Hamburger Verlag Altraverse für die Fortsetzung der deutschen Manga-Kultur auch in Buchform. Namenhafte deutschsprachige Manga-ka wie Sozan Coskun (*1996), Ban Zarbo, Gin Zarbo, Jenni Liz oder Sabrina Steinert haben seit der Gründung von Altraverse zahlreiche eigene Werke publiziert und diese unter anderem auf verschiedenen Conventions (z. B. der Leipziger Buchmesse 2023) unters Volk gebracht. Seit 2020-2021 erscheint unter anderem die bisher drei Bände umfassende Reihe Green Garden von Sozan Coskun. 2020 startete Gin Zarbo ihren Manga Das Geheimnis von Scarecrow .
Eine ebenfalls weiterhin positive Entwicklung nimmt die Verbreitung deutschsprachiger Manga im Internet. Inga Steinmetz veröffentlicht seit 2020 z. B. ihren digitalen Manga Final Smile auf Patreon.
Illustratoren und Ihre Zeichenkunst im Manga-Stil
Jenseits der jungen Künstlerinnen und Künstler, die sich der Entstehung neuer Geschichte in Manga-Form widmen, haben sich seit geraumer Zeit eine ganze Reihe von Zeichnerinnen und Zeichnern etabliert, die sich der Verbreitung japanischer Manga-Kunst auf der Basis von Illustrationen widmen.
Insbesondere der Anteil der sich selbst verlegenden, freiberuflich tätigen Künstlerinnen und Künstler, die im Mangastil arbeiten, hat sich seit den 2010-ern deutlich gesteigert. Beispiele hierfür sind u. a. die Hamburger Zeichnerin Chiana oder die aus Mannheim stammende Naddeshiko, die mit ihrer Manga-Kunst erfolgreich sind.
Nach dem Auslaufen der Corona-Pandemie, die die Messe-Szene in den Jahren 2020-2022 voll im Griff hatte, konnte auch die Arbeit der vielen Illustrator/innen endlich weitergehen. Derzeit gibt es zahlreiche Artists, deren Werke viertel- oder halbjährig sowohl auf lokalen wie auch auf den großen nationalen Messen wie der Leipziger Buchmesse, der Dokomi, der AnimagiC oder der Connichi bestaunt werden können.
Auf den zahlreichen lokaleren Conventions der BD Events, die etwa in Hamburg, in Bremen und auch in Hannover stattfinden sind heute unter anderem Künstlerinnen wie Chiana, Milky Heaven, Isogi, Kageshini, Chrizzeln, julia_damm_arts oder Cloverloy anzutreffen.
Einige der Künstlerinnen findet ihr auch in unserer Virtual Artist Alley ausführlicher vorgestellt.
Aktuelle Entwicklungen
Ende 2024 dominieren verschiedene deutschsprachige Mangaka aus unterschiedlichen Verlagen die deutsche Manga-Szene. Führend ist unter anderem der Manga-und Webtoon-Verlag Altraverse mit seinen Mangaka Sozan Coskun (Kiela und das letzte Geleit), Racami (Der Fluch des purpurnen Rauches), Gin Zarbo (Das Geheimnis von Scarecrow), Ban Zarbo (Cold - Die Kreatur), Tamasaburo (Charon 78), Jenny Liz Lachenmeier, Sabrina Steinert (Die Tänzerin des Königs), SchornEE (Lets Cast Off) sowie Natalie Schiller und Marcel Hugenschütt (Teddy Boys Love). Altraverse dominiert somit derzeit den Mangamarkt mit seinen deutschen Künstlerinnen und Künstlern.
Viele der mehrbändig angelegten aktuellen Altraverse-Manga sind Stand jetzt noch nicht abgeschlossen und werden uns noch einige weitere Zeit lang begleiten.
Mit der Ankündigung des neuen internationalen europäischen Manga-Magazins Manga Issho zum März 2025, welches von altraverse, Kana, Planeta Cómic und Star Comics herausgegebenen wird, steht zudem ein neuer Meilenstein in der deutschen Manga-Historie bevor.
Carlsen Comics ist mit Dominik Jell (Mortalis & Crossing Borders) und Egmont mit Daniel Eichinger (Jovanture) ebenfalls weiterhin in der deutschen Manga-Szene aktiv.
Neben den Verlags-Mangaka sind jedoch auch Independent Mangaka seit einiger Zeit wieder stärker auf dem Vormarsch. Zu diesen Mangaka gehören beispielsweise Meiteimiu (INCIDENTS), Nashi (Sometimes she is the light) oder die Webtoon-Artist Cloverloy (Black Horda).
Zu den Pages bedeutender Manga-Künstler
Inga Steinmetz: www.the-wired.de Anne Delseit: www.alicubi.de Nayght-Tsuki: www.nayght-illustration.de
ZU DEN PAGES BEDEUTENDER ILLUSTRATOREN
Naddeshiko: www.naddeshiko.de & www.instagram.com/naddeshiko Chiana-Art: https://www.chiana-art.de/ & https://www.instagram.com/chiana.art/
-Homepagemanagement-
Bernd und Christian Appel
Kontakt: [email protected]